von | by Julie Matthées
Eröffnung / Opening: Donnerstag | Thursday, 05.02.2026, 18 bis 22 Uhr | 6–10 p.m.
Freitag / Friday, den 06.02.2026 bis | to Sonntag, den 08.02.2026, je 15 bis 19 Uhr | 3–7 p.m.
Scham erklärt sich nicht. / Sie ist einfach da.
Ich habe versucht sie, sichtbar zu machen. / Frei von ihr zu sein. / Aber das ist das Problem. / Sie bleibt. / Sie kontrolliert.
Wenn wir Scham abbauen wollen, müssen wir sie aushalten. / Über sie sprechen.
Aber jetzt gerade bin ich erschöpft. / Von dem ständigen reflektieren meiner Scham.

Shame on me ist eine persönliche und künstlerische Auseinandersetzung mit einer Emotion, die alle spüren, aber kaum drüber reden. Sie bewegt sich zwischen Selbstportraits, Interviews und Bewegtbild. Sie fragt: Was ist Scham? Wie fühlt sie sich an? Wie lässt sie sich darstellen? Welche Macht hat sie in unserer Gesellschaft – und ist es möglich sie abzubauen?
Der Kurzfilm Sonnenschein ist die Hauptarbeit der Ausstellung. Er ist der Versuch einen Umgang mit Scham zu finden und sie vielleicht sogar annehmen zu können. Gleichzeitig ist er ein Rückblick auf Momente, die von Scham geprägt waren.
Im Film tauchen immer wieder analoge Selbstportraits auf, die während der letzten zwei Jahre meist spontan in meiner Küche entstanden sind. Sie zeigen eine Version von mir, die nur in diesem Augenblick existierte. Die Inszenierung war minimal, der Prozess kurz – oft nur weniger Sekunden. Und wenn ich den Film ins Labor gab wusste ich schon gar nicht mehr was mich erwarten würde. Außer das hoffentlich mein Gesicht drauf sein würde.
Die Ausstellung bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Offenheit und der Frage wie viel des Gezeigten wirklich schamlos und frei existiert – oder ob am Ende nicht doch jede Darstellung von Scham eine Form von Inszenierung ist. Denn Scham kann nie ganz ohne den Blick anderer existieren.
Bio: Julie Matthées wurde in Berlin geboren und studierte bis 2026 intermediale Fotografie bei Prof. Peggy Buth an der Kunsthochschule Kassel. Seit 2023 ist Julie Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. Von Oktober 2024 bis Januar 2025 war they Resident im Filmhaus Basel. Matthées arbeitet vor allem in einem auto-soziobiografisch und thematisiert in deren Arbeiten gesellschaftspolitische Themen wie Feminismus, psychische Erkrankungen und Familienstrukturen.
Shame on Me is a personal and artistic exploration of an emotion that everyone feels but hardly ever talks about. It moves between self-portraits, interviews, and moving images. It asks: What is shame? How does it feel? How can it be represented? What power does it have in our society—and can it be overcome?
The short film Sonnenschein (Sunshine) is the main work in the exhibition. It is an attempt to find a way of dealing with shame and perhaps even accepting it. At the same time, it is a look back at moments that were marked by shame.
The film repeatedly features analog self-portraits, most of which were taken spontaneously in my kitchen over the last two years. They show a version of me that existed only in that moment. The staging was minimal, the process short —often lasting just a few seconds. And when I sent the film to the lab, I had no idea what to expect. Except that, hopefully, my face would be on it.
The exhibition moves in a field of tension between the desire for openness and the question of how much of what is shown really exists shamelessly and freely—or whether, in the end, every representation of shame is a form of staging. Because shame can never exist entirely without the gaze of others.
Biography: Julie Matthées was born in Berlin and studied intermedia photography with Prof. Peggy Buth at the Kunsthochschule Kassel until 2026. Since 2023, Julie has been a scholarship holder of the German National Academic Foundation. From October 2024 to January 2025, they were a resident at Filmhaus Basel. Matthées works primarily in an auto-socio-biographical mode and addresses sociopolitical issues such as feminism, mental illness, and family structures in their work.